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„Endlich wieder richtig Schule!“

20.06.2021 18:34:34 | Nicole Jansen

„Endlich wieder richtig Schule!“

Die Nordeifeler Schulen sind seit Montag wieder im Regelbetrieb. In die Kitas kehrt die Normalität nächste Woche zurück.
VON HEINER SCHEPP

NORDEIFEL „Endlich wieder richtig Schule!“ Dass dieser Stoßseufzer einmal von Kindern und Jugendlichen statt von Eltern zu hören sein würde, hätte einem vor 15 Monaten niemand geglaubt. Seit Montag ist das Wechselspiel zwischen Distanz- und Präsenzunterricht, zwischen Homeschooling, Notbetreuung und Wochenaufgaben (vorerst) Geschichte. Nur die allgegenwärtigen Masken, die Wege in den Gebäuden und streng geregelte Pausenzeiten erinnern seit Montag noch an die Ausnahmesituation und werden die Eifeler Schulen womöglich noch eine ganze Zeit begleiten.

Dass Schule nicht nur eine stille digitale Welt, sondern auch ein Gebäude ist, das lebt und in das man gern geht, durften am Montag auch die 310 Schüler und Schülerinnen der Grundschule Roetgen erfahren. „Kommen heute wirklich alle wieder?“, fragte ein Zweitklässler am Eingangstor ungläubig. „Die Realität holte dann einige Kinder am Fahrradständer ein: Wo letzte Woche noch eine Auswahl an Stellplätzen bestand, herrschte heute großes Gedränge“, berichtete Rektorin Susanne Bortot.

Comeback der Gemeinschaft

In den Klassen wurde nach ihren Worten „das Comeback der Klassengemeinschaft gefeiert, wurden alle Sitzplätze vergeben und die neue Nähe vorsichtig betrachtet“. Die Flure füllten sich, und auch der Roetgener Pausenhof schien nicht nur durch die Baumaßnahme – im Rahmen von „Gute Schule“ verwandelt sich der bisher überwiegend asphaltierte Freiraum gerade in eine abwechslungsreiche Erholungslandschaft - kleiner geworden zu sein. „Daran aber, dass Unterricht auch lange dauert und Hausaufgaben dazu gehören, müssen sich einige Kinder wieder gewöhnen“, stellte Susanne Bortot augenzwinkernd fest.

Unter die Euphorie der Kinder, endlich wieder im Freundeskreis der ganzen Klasse spielen und lernen zu können, habe sich aber naturgemäß auch Skepsis gemischt, räumte die Schulleiterin ein: „Skepsis der Schüler und Schülerinnen angesichts der ungewohnten Nähe zu den Sitznachbarn. Skepsis der Lehrkräfte angesichts der abrupten Verdopplung der Kinderschar im Klassenraum. Und die stetige Hoffnung, dass es wohl wieder gut gehen werde, schwingt auch mit“, zog Bortot eine erste Bilanz und blickte nach vorn: „Auf Seiten der Eltern lässt sich erahnen, wie gut ihnen die Perspektive tut. Wenn auch ein Rest Sorge bleibt, so ist der Vollbetrieb der Schulen neben den vielen anderen Maßnahmen ein Licht am Ende des Tunnels, das hoffnungsvoll stimmt und im Sommer ein neues Lebensgefühl verheißt“, meinte Susanne Bortot und stellte fest: „Freuen wir uns daher heute über die vollen Schulen und im Sommer wieder über die vollen Cafés!“

Neben dem Regelunterricht für alle Mädchen und Klassen startete an der St.-Ursula-Realschule in Monschau am Montag nach über fünf Monaten Zwangspause durch die Corona-Pandemie auch wieder das Silentium, also die Nachmittagsversorgung in der über 300 Jahre alten Schule am Burgau. „Wir freuen uns sehr, dass wir nun auch im Silentium unsere Mädels wieder begrüßen dürfen“, meinte Silentiumsleiterin Nicole Jansen und berichtete, dass „in unserer hauseigenen Küche ab heute wieder der Kochlöffel geschwungen wird!“

Viel Redebedarf

Es sei wieder laut und wuselig in der Schule, „überall hört man Stimmen, die Mädchen freuen sich, viele haben sich seit Wochen nicht mehr gesehen, weil sie in unterschiedlichen Gruppen zum Wechselunterricht eingeteilt waren. Es gibt ganz viel Redebedarf, denn auch die modernen Medien konnten nicht den persönlichen Kontakt ersetzen“, wie Nicole Jansen beobachtet hat. Auch Schulleiterin Dorothee Spinrath schaut nach vorn: „Drücken wir gemeinsam die Daumen, dass wir in den letzten Schulwochen mit voller Mannschaft das Schulschiff von St. Ursula auf Kurs halten können.“

Für die Eltern der Silentiumsteilnehmerinnen hatte Nicole Jansen eine erfreuliche Nachricht: „Nach Rechnungsabschluss für das Schuljahr 20/21 werden wir im August einige Monatsbeiträge rückwirkend erstatten können“, teilte die Leiterin des Silentiums mit. Noch nicht entschieden ist an der Mädchenrealschule, ob es in den verbleibenden Wochen noch den traditionellen Kennenlernnachmittag für die neuen Schülerinnen geben wird. Die Schulleitung ist verhalten optimistisch: „Mal sehen, ob uns das in der vorletzten Schulwoche gelingt, wenn wir am 25. Juni unseren Zehner-Jahrgang entlassen“, hieß es.

Dagegen musste man am Monschauer St. Michael-Gymnasium (MGM) ein erstes Treffen der künftigen Schülerinnen und Schüler mit Blick auf die erfreulich hohen Anmeldezahlen absagen: „Zwar fallen die Inzidenzzahlen weiter, aber leider sehen wir eine Veranstaltung mit 108 Schülerinnen und Schülern und deren Eltern in der momentanen Situation als sehr kritisch an. Wir müssen daher leider den Kennenlerntag am 12. Juni absagen“, heißt es auf der Internetseite der Schule. Gleichwohl kehrten auch am MGM ein gutes Stück Normalität und Optimismus ins Schulgebäude auf der Haag zurück: „Wir freuen uns natürlich, endlich wieder halbwegs normalen Unterricht machen zu können. Die noch niedrigen Inzidenzzahlen stimmen uns hoffnungsvoll. Am meisten hoffen wir darauf, dass sich nun nichts mehr ändern wird bis zu den Sommerferien“, meinte Direktor Bernd Gotzen. Auch an der Sekundarschule Nordeifel und an allen Grundschulen in der Nordeifel bindet der Regelbetrieb seit Montag wieder alle Kräfte. Zum einen gilt es, die Entlassjahrgänge gut und sicher durch die letzten Tage und zu einem guten Abschluss an der jeweiligen Schule zu führen, zum anderen gilt es, die übrigen Klassen wieder an den vor 15 Monaten gewohnten „Normalbetrieb“ zu gewöhnen.

Kitas haben noch etwas Zeit

Eine Woche mehr Zeit bis zum Regelbetrieb haben dagegen die Kindertagesstätten in der Nordeifel, wo erst ab 7. Juni wieder Normalität einkehrt. „Dann haben alle Kinder wieder einen uneingeschränkten Betreuungsanspruch im vertraglich vereinbarten Umfang“, kündigte die Städteregion Aachen nicht nur für ihre Einrichtungen an. Auch am Katholischen Kindergarten St. Lambertus in Kalterherberg freut man sich auf die kommende Woche „und vor allem für die Familien, die mit den eingeschränkten Betreuungszeiten zu kämpfen hatten“, wie Leiterin Sonja Conrads unterstreicht. Neben der Rückkehr zur 25-, 35- oder 45-Stunden-Betreuung darf dann beispielsweise auch die strikte Gruppentrennung aufgehoben und wieder mit offenen Konzepten gearbeitet werden. An der Malmedyer Straße ist man diesbezüglich aber noch vorsichtig: „Die Frage ist: Was können, dürfen und sollten wir tun?“, sagt Conrads, die dazu derzeit im regen Austausch mit Träger, Eltern und ihrem elfköpfigen Personal ist. Voraussichtlich werde man die Gruppen noch eine Weile autark lassen, so die Leiterin. Auch die mindestens einmal wöchentlichen Pflicht-Tests für die Erzieherinnen und die gut angenommenen, aber freiwilligen Kinder-Tests – demnächst mit Lolli – wird man vorerst ebenso beibehalten wie die AHA-Regeln. Sonja Conrads: „Schließlich freuen wir uns alle auf einen halbwegs normalen Sommer!“