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Erst Test, dann lernen in Präsenz

20.04.2021 11:18:33 | Nicole Jansen

Erst Test, dann lernen in Präsenz

Meiste Schüler der weiterführenden Schulen werden via Bildschirm unterrichtet. Abschlussjahrgänge auch in der Schule.

VON HEINER SCHEPP

NORDEIFEL Während die meisten Kinder und Jugendlichen an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen in der Nordeifel seit Montag wieder im Homeschooling sind, lernen die Abschlussjahrgänge der Gymnasien, der Sekundarschule, der Mädchenrealschule und der Förderschule sowie des Berufskollegs in Simmerath diese Woche wieder in ihrer Schule. Verbunden ist der Präsenzunterricht aber mit zwei Selbsttests in der Schule oder bei öffentlichen Teststationen, die bei negativem Testergebnis „normalen“ Unterricht in Pandemiezeiten erlauben.

Das Berufskolleg in Simmerath hat entsprechend der Vorgabe der Landesregierung in dieser Woche nur jene Klassen am Berufskolleg, die in diesem Schuljahr eine Abschlussprüfung ablegen. Dies sind die Oberstufen der Berufsschule für Kfz-Mechatroniker und Berufskraftfahrer, die Oberstufen der Höheren Handelsschule und der Fachoberschule Sozialwesen und Gesundheit, die im Mai die Fachabiturprüfungen absolvieren, sowie die Oberstufe der Fachschule Erziehung. „Die Oberstufe der Berufsfachschule Kinderpflege ist in dieser Woche im Praktikum“, erläutert Axel Tings, Standortverantwortlicher des Berufskollegs in Simmerath. Der Unterricht findet je nach Klassengröße in Form von Wechselunterricht statt, so dass im täglichen Wechsel jeweils nur die halbe Klasse mit ausreichend Abstand in der Schule ist. Die andere Hälfte arbeitet zu Hause und wird nach Möglichkeit per Video dem Unterricht zugeschaltet. „Diese Klassen werden in jedem Fall auch in der kommenden Woche unterrichtet. Alle übrigen Klassen bzw. Stufen werden diese Woche in Form von Distanzunterricht beschult“, sagt Tings.

„Entsprechend der Entscheidung des Schulministeriums, die uns am letzten Donnerstag um 19.55 Uhr erreichte, findet der Unterricht der Klassen 5 bis EF ausschließlich in der Distanzform statt“, berichtete Bernd Gotzen, Direktor des Monschauer St.-Michael-Gymnasiums zu Wochenbeginn. Die knapp 600 Schülerinnen und Schüler im Homeschooling erhalten dazu über die pädagogische Oberfläche G-Suite Lernmaterial und Aufgabenstellungen. Die Rückmeldung erfolgt über Korrekturen und Selbstlöser. Teilweise werden auch Videokonferenzen angeboten, in denen Fragen geklärt werden können. Die Jahrgangsstufe Q1 am MGM wird nach Plan unterrichtet, „wobei wir das derzeit zur Verfügung stehende Raumangebot des Gebäudes nutzen, um auch größere Kurse in möglichst großen Räumen zu unterrichten. Wir sehen es als notwendig an, soweit möglich auch während des Unterrichts Abstände zu wahren“, so Gotzen. Im Abiturjahrgang Q2 wird ein Unterrichtsangebot in den individuellen Abiturfächern gemacht, das die Schülerinnen und Schüler der Abiturientia freiwillig wahrnehmen können.

„Auch, wenn die Entscheidung recht kurzfristig und auch überraschend kam, sind wir gut vorbereitet und können auf viele bereits erprobte und bewährte Strukturen zurückgreifen“, sagt der Leiter des Gymnasiums und betont: „Unser Hauptaugenmerk liegt aber derzeit bei den Abiturientinnen und Abiturienten, die sich in dieser extrem unsteten Zeit auf ihre Prüfungen vorbereiten.“

Auch am privaten Franziskus-Gymnasium in Vossenack ist diese Woche Distanzunterricht vom Land angeordnet – mit Ausnahme der Jahrgangsstufen Q1 und Q2. Die Q1, also Jahrgangsstufe 11, hat Wechselunterricht mit je einer Hälfte, „wir verdoppeln sozusagen die Tage – eine Gruppe in der Schule, die andere zu Hause –, zumeist mit Hybridunterricht“, erläutert Schulleiter Peter Cordes. Die Vossenacker Abiturientia hat laut Schreiben des Staatssekretärs die Möglichkeit, auf den Präsenzunterricht zu verzichten; am FGV läuft derzeit eine Abfrage dazu. „Wir vermuten, dass die meisten reinen Distanzunterricht wünschen, um der Gefahr eine Infektion kurz vor den Abiturprüfungen zu entgehen“, blickt der Direktor nach vorne.

Präsenzunterricht für die Abschlussklassen in der Jahrgangsstufe 10 praktiziert derweil die Monschauer Mädchenrealschule. Jede Klasse ist – wie schon vor den Osterferien – in zwei Kleingruppen von je maximal 15 Schülerinnen aufgeteilt, die in zwei getrennten Räumen parallel nach Stundenplan unterrichtet werden. „Zweimal in der Woche führen die Schülerinnen nach Anleitung durch die Lehrkraft zu Beginn der ersten Stunde den Selbsttest durch“, erläutert Schulleiterin Dorothee Spinrath. Gleichzeitig findet an St. Ursula auch wieder die personalintensive Notbetreuung für Schülerinnen der Klassen 5 und 6 parallel zum Distanzunterricht für die Klassen 5 bis 9 statt.

Auch in der Sekundarschule Nordeifel dürfen in dieser Woche nur die Klassen 10 in Präsenz unterrichtet werden. In kleinen Gruppen lernen die Schülerinnen und Schüler in der Schule und zu Hause und bereiten sich so auf die Zentralen Prüfungen vor. „Um eine bestmögliche Vorbereitung auf die Zentralen Prüfungen bei einem möglichst geringen Infektionsrisiko sicher zu stellen, legen wir den Schwerpunkt weiterhin auf die Vorbereitung der ZP-Fächer und haben die Wochenstunden in diesen Fächern im Präsenzunterricht noch erhöht, so dass wir, zusammen mit dem Distanzunterricht, mehr Unterricht in den ZP-Fächern anbieten als im regulären Betrieb“, erklärt Direktorin Diana Hoch.

Auch an der Förderschule Nordeifel sind nach den Osterferien die Kinder und Jugendlichen wieder im Distanzunterricht. „Einzige Ausnahme sind die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse, die täglich zum Unterricht in die Schule kommen“, berichtet Schulleiter Robert Welling-Knauff. Außerdem gibt es auch in Eicherscheid eine Notbetreuung.

Wie geht es weiter?

Wie es kommende Woche weitergeht, dazu hatten die weiterführenden Schulen am Mittwoch – nicht unerwartet – noch keine Nachricht. „Ob in der nächsten Woche dann auch wieder die übrigen Klassen, wie schon vor den Osterferien, zum Präsenzunterricht kommen dürfen, bleibt abzuwarten“, sagt Axel Tings vom Berufskolleg und ergänzt: „Es ist richtig, dass die Mitteilung an die Schule oft sehr kurzfristig erfolgen. Wir haben inzwischen aber gelernt, damit umzugehen und sind auf alles vorbereitet. Zudem haben wir inzwischen alle denkbaren Formen von Unterricht mit Präsenz-, Distanz- oder Hybridunterricht für verschiedenste Gruppen ja auch schon umgesetzt und können auf entsprechende Erfahrungen zurückgreifen.“ Auch an St. Ursula sind die Pläne für die Durchführung des Wechselunterrichts längst fertig, „denn wir wollten ja eigentlich diese Woche schon damit beginnen“, sagt Dorothee Spinrath.

Laut Sekundarschulleiterin Diana Hoch ist bislang vorgesehen, dass die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangstufen nächste Woche wieder in die Schule kommen und in halber Klassenstärke in einem Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht lernen. Amtlich sei dies aber bisher nicht. Die Notbetreuung für die Klassen 5 und 6 werde aber auf jeden Fall weiterhin stattfinden, so Hoch. Die Teilnahme am Unterricht ist und bleibt aber in jedem Fall generell an die Testpflicht gebunden, betont Bernd Gotzen vom St.-Michael-Gymnasium. „Wer sich nicht testen lassen will, muss zu Hause bleiben“, zitiert der Direktor die Mitteilung aus Düsseldorf. Daneben müsse das gesamte Infektionsgeschehen und die Lage in der Städteregion betrachtet werden. Dr. Gotzen: „Wir werden abwarten müssen, was man entscheidet, und werden das dann umsetzen. Wann diese Information kommt, ist und bleibt spannend.“

INFO

Ausstattung mit Selbsttests läuft noch nicht überall rund

Noch recht unübersichtlich verläuft die Versorgung der Nordeifeler Schulen mit den erforderlichen Corona-Schnelltests. „Am frühen Samstagnachmittag sind genügend Tests für eine Schulwoche mit zweimaliger Testung aller Schülerinnen eingetroffen“, berichtete Dorothee Spinrath für die Mädchenrealschule, schränkt aber ein: „Es wäre schön, wenn das künftig zur normalen Öffnungszeit der Schule vonstatten ginge. Und leider sind nicht dieselben Test-Kits geliefert worden. Das bedeutet für unser Lehrpersonal: wieder Demo-Filmchen anschauen und Erfahrungen sammeln, wie gut sich das im Klassenraum händeln lässt …“

Dem Monschauer Gymnasium wurden noch Tests vor den Ferien geliefert, am Sonntag folgte – ohne Ankündigung – eine weitere Lieferung. „Wir sind somit immerhin fürs erste gut ausgestattet mit Tests“, sagt Bernd Gotzen. Auch am Vossenacker Gymnasium trafen die Tests am Sonntag ein. „Der Hausmeister war rein zufällig im Haus“, erzählt Peter Cordes.

Bereits am Freitag wurde die Förderschule beliefert. Robert Welling-Knauff: „Die werden für zwei Wochen reichen, wenn alle Schülerinnen und Schüler in die Schule kommen dürfen.“

Für diese Woche haben wir noch ausreichend Tests in der Schule, um alle anwesenden Abschlussklassen und das Kollegium zwei Mal zu testen. Und die neuen Tests sind am Samstag angeliefert worden“, berichtete Axel Tings von einer guten Ausstattung des Berufskollegs.

Auch in der Sekundarschule in Simmerath sind aktuell ausreichend Tests vorhanden. Auch dort unterscheiden sich die neu gelieferten Selbsttests aber in der Handhabung von den Selbsttests der Vorwoche.