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Vorfreude auf ein bisschen Normalität

13.03.2021 08:50:30 | Nicole Jansen

13.03.2021

Kreis-Dürener Antrag auf längeres Homeschooling abgelehnt: Alle Nordeifeler Schulen starten Montag mit mehr Präsenzunterricht

VON HEINER SCHEPP

NORDEIFEL Endlich wieder zur Schule! Dies war der überwiegende Tenor bei Schülern und Lehrern der weiterführenden Schulen, nachdem das NRW-Schulministerium vergangenen Freitag die Rückkehr zum Präsenzunterricht im Wechselmodell angekündigt hatte. Die Vorfreude trübten dann aber im Laufe dieser Woche bedrohliche Infektionszahlen im Kreis Düren und kritische Stimmen von Schüler- und Elternvertretungen.

Wechselspiel bis Osterferien

Was in den Grundschulen schon seit 22. Februar wieder angelaufen ist und dem Vernehmen nach bislang zu keinen größeren Zwischenfällen geführt hat, soll ab Montag auch für Mädchen und Jungen ab dem 5. Schuljahr möglich sein: ein Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzunterricht für die beiden verbleibenden Wochen bis zu den Osterferien. Bis Donnerstag war auch an allen weiterführenden Schulen an der Nordeifel alles dafür vorbereitet – Eltern und Kinder informiert, Stundenpläne und Hygienepläne aufgestellt, alle Räumlichkeiten und Wege für ein Minimum an Kontakten markiert. Dann aber machte am Donnerstag die Nachricht die Runde, dass der Kreis Düren wegen stark steigender Infektionszahlen beantragt hatte, den Präsenzunterricht ab Klasse 5 erst nach den Osterferien wieder aufzunehmen. Am Freitagnachmittag, kurz vor 16 Uhr (!), erreicht die Ablehnung des Antrags durch das Land die Schulen. Damit starten auch das Vossenacker Gymnasium und die Sekundarschule in Kleinhau am Montag mit mehr Präsenzunterricht.

„Wir haben die Planungen für kommenden Montag fertig, also ein Wechselmodell mit jeweils der Hälfte der Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht. Nach Möglichkeit werden dabei die Schüler im Distanzunterricht per Video dem Präsenzunterricht zugeschaltet. Je nach Fach und Raum kann das aber schwierig sein, dann arbeiten die Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht zu Hause synchron, also streng nach Stundenplan, an Arbeitsaufträgen“, teilte Peter Cordes, Direktor des Franziskus-Gymnasiums Vossenack diese Woche mit.

Da die Schule am äußersten Rand der Gemeinde Hürtgenwald und damit im Kreis Düren liegt, wäre sie von einer Verlängerung des Lernens auf Distanz unmittelbar betroffen gewesen, obwohl mehr als die Hälfte der Schülerschaft nicht im Kreis Düren wohnt. Dieses Szenario aber ist nun vom Tisch - voererst...

Hätte das Land dem Dürener Antrag auf späteren Präsenzunterricht stattgegeben, wäre auch die Sekundarschule Nordeifel mit ihrem Standort Kleinhau betroffen gewesen. „Auch wenn wir in Randlage des Kreises Düren liegen, haben wir natürlich auch Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen, die näher am Zentrum wohnen“, meinte Hoch. Die Rückkehr zum Präsenzunterricht erachtet Diana Hoch für alle Schülerinnen und Schüler aber als sehr wichtig. Am Standort Simmerath der Sekundarschule kehren die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen am Montag aber auf jeden Fall in einen eingeschränkten Präsenzunterricht im Wechselmodell zurück. „Das bedeutet, dass es sowohl Tage gibt, an denen die Kinder und Jugendlichen in der Schule lernen, als auch zu Hause“, erläutert die Rektorin. Der Unterricht in der Schule wird dabei in konstanten halbierten Lerngruppen erteilt, damit die Kinder und Jugendlichen im Klassenraum „auf Abstand“ lernen können. Dabei sollen sie mindestens eine medizinische Maske tragen.

Originelles Video

Die Rückkehr aller Jahrgänge in den Präsenzunterricht begleiteten die Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarschule indes mit einem originellen Musikvideo, das zunächst auf der Lernplattform Moodle ausgestrahlt wurde und seit Freitag auch über das Videoportal Youtube öffentlich zu sehen ist: Zum Queen-Rockhit „Don’t stop me now“ wirbeln die Lehrkräfte durchs Bild und möchten damit, so Diana Hoch, „unsere Dankbarkeit über das Durchhalten der Kinder und Jugendlichen, aber auch ihrer Familien zum Ausdruck bringen“. Das Video ist unter dem Link www.youtube.com/watch?v=lPLAM3vq6d4&t=17s zu finden.

Auch am St.-Michael-Gymnasium ist man gut darauf eingerichtet, dass die Schülerinnen und Schüler ab Montag wieder in Teilen am Präsenzunterricht teilnehmen. „Die Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 9 haben wir auch mit dem Blick der Klassenleitungen auf die Klasse in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt, die Jahrgangsstufe EF ist alphabetisch geteilt worden. Wir wechseln die Gruppen im Wochenturnus, es kommt also die Gruppe A in der Woche vom 15. bis zum 19. März, die andere Gruppe kommt dann vom 22. bis zum 26. März. Die Schülerinnen und Schüler, die nicht im Präsenzunterricht sind, werden weiterhin nach unserem bisherigen Verfahren in der Distanz unterrichtet. Die Notbetreuung läuft weiter für die Schülerinnen und Schüler, die im Distanzunterricht sind“, erläutert Schuldirektor Bernd Gotzen. Der Präsenzunterricht in diesen beiden Wochen diene dabei vornehmlich der Konsolidierung der Inhalte aus dem Distanzunterricht, meinte der Schulleiter. „Darum werden auch vor den Osterferien keine Klassenarbeiten und Klausuren in den Jahrgängen 5 bis EF mehr geschrieben“, kündigte er an.

Die Öffnung der Schulen in NRW zum 15. März für alle Jahrgänge ist aus Sicht von Bernd Gotzen „der Versuch, gerade dort wieder Struktur und Regelmäßigkeiten in den Alltag zu bringen, wo der Wegfall von Schule große Probleme hervorgerufen hat.“ Es sei auch für viele Kinder und ihre Familien wichtig und gut, dass sie wieder in die Schule gehen können und dort zusammen mit ihren Klassenkameradinnen und Klassenkameraden gemeinsam lernen.

Freude mit leichten Schmerzen

Seit dem 22. Februar haben die Abschlussklassen an der Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau jeweils in zwei Gruppen und in zwei Räumen Präsenzunterricht. Während diese Vorgehensweise der Abschlussklassen fortgesetzt wird, beginnt auch für die Klassen 5-9 ab Montag der eingeschränkte Präsenzunterricht im Tages-Wechselmodell. Dazu wurden alle Klassen in jeweils zwei Gruppen eingeteilt und werden nach Stundenplan unterrichtet. „Jede dieser Gruppen hat so bis zu den Osterferien fünf Tage Unterricht in Präsenzform und fünf Tage Distanzunterricht“, so Schulleiterin Dorothee Spinrath, die festhält: „Über die Rückkehr zu ‚eingeschränkter‘ Normalität im Unterricht freuen sich Schülerinnen, Eltern und Kollegium. Natürlich nicht ganz ohne Bauchschmerzen, wenn man auf die Inzidenzwerte schaut und die Fülle von Einschränkungen und noch offenen Fragen betrachtet, die normalen Betrieb und Unterricht einschränken“, sagt die Schulleiterin.

Auch an der Roetgener Privatschule Conventz starten am Montag wieder der Ganztagsbetrieb für alle Schüler in der Schule. „Da wir über genügend Räume verfügen und die Klassenstärke im Durchschnitt nur zehn Schüler beträgt, können wir für alle Schüler täglich Präsenzunterricht durchführen. Ein Wechselmodell ist nicht nötig. Die Kontakte sind auf ein Minimum reduziert“, sagte Bernd Conventz, geschäftsführender Gesellschafter und Internatsleiter der Schule. Das Kollegium freue sich, die Schüler wieder im Haus zu haben und auch die Rückmeldung aus der Schülerschaft zu den Schulöffnungen sei überwiegend positiv. Conventz: „Die Schüler freuen sich vor allem auf das gemeinsame Lernen und das echte Wiedersehen mit Klassenkameraden und Lehrern. Und die Elternhäuser, denen in den letzten Wochen und Monaten viel abverlangt wurde, werden ab der kommenden Woche sehr entlastet.“

Auch die Förderschule Nordeifel in Eicherscheid fängt grundsätzlich am Montag wieder mit Wechselunterricht in allen Jahrgangsstufen an. Wie die Schüler aus dem Kreis Düren an der Stelle zu behandeln sind ist bisher ungeklärt, aber ich denke, wenn eine Verlängerung des Distanzunterrichts für die Dürener Schüler beschlossen wird, wird das auch für unsere Schüler aus diesem Bereich gelten. Genaue Anweisungen hierzu liegen mir aber noch nicht vor“, sagte Schulleiter Robert Welling-Knauff.

Schließlich startet auch das Berufskolleg (BK) in Simmerath am Montag mit den Unterstufenklassen in halber Stärke und im Wechselmodell wieder in den Präsenzunterricht. Die Oberstufenklassen sind ohnehin schon seit 22. Februar wieder nach diesem Modell wechselweise in der Schule. Dies gilt auch für die Abschlussklassen im Dualen System, für die im Mai Prüfungen anstehen, wie Axel Tings, Standortverantwortlicher des BK in Simmerath erläutert. „Wir müssen nun dringend wieder Präsenzunterricht anbieten, um die Inhalte für die Abschlussprüfungen direkter vermitteln zu können“, drängt für Tings auch am Berufskolleg die Zeit. Eine Sonderregelung gibt es für Kfz-Mechatroniker und Berufskraftfahrer, die in ihren kleinen Klassen ab Montag wieder täglich nach Simmerath kommen, auch dies mit Blick auf die Prüfungen in wenigen Wochen.