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Abschied mit Applaus und Abstand

19.06.2020 07:12:24 | Nicole Jansen
Die Mädchenrealschule St. Ursula Mosnchau entlässt 77 Schülerinnen des „Corona-Jahrgangs“ ins weitere Leben

    

 

Monschau Alle 77 Schülerinnen des Abschlussjahrgangs an der Bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau haben ihren Abschluss geschafft – trotz „Lernen auf Distanz“ in Corona-Krisenzeiten. Diese Leistung würdigte die Schule besonders, als sie am Mittwochnachmittag die jungen Damen der Jahrgangsstufe 10 in einer dreigeteilten Zeugnisfeier „ins Leben“ entließ.

„Die Bedingungen in diesem Jahr waren außergewöhnlich. Ihr werdet deshalb immer als ein besonderer Abschlussjahrgang in Erinnerung bleiben“, bescheinigte Schulleiterin Dorothee Spinrath den Schülerinnen der Klassen 10a, b und c zu Beginn der getrennten, jeweils knapp zweistündigen Entlassfeiern.

Gottesdienst

Eröffnet wurden diese traditionsgemäß mit einem Wortgottesdienst, den Schulseelsorgerin Regine Förster vorbereitet hatte. Musikalisch begleitet wurde die gehaltvolle kleine Feier von Musiklehrer Herbert Frings. Der Mehrzweckraum bot genügend Platz für die bis zu 30 Schülerinnen, die im gebotenen Abstand Platz nahmen. Schulleitung und Lehrer nahmen auf dem Flur Platz, während die Eltern erst später bei der Zeugnisausgabe, also beim wichtigsten Teil der Entlassfeier, hinzukamen. „Ich denke, dass wir so noch die bestmögliche Lösung für eine würdige Abschlussfeier gefunden haben“, meinte die Schulleiterin.

Dorothee Spinrath ging natürlich besonders auf die vergangenen drei Monate ein, als sie sich an die Schülerinnen wandte. „Das Szenario war manchmal wie in einem Science-Fiction-Film, wir wünschten uns ein Aufwachen aus diesem Traum, wir wollten die Zeit zurückdrehen und auf Neustart gehen, wollten etwas anders und besser machen, wollten Einfluss nehmen und die Weichen neu stellen. Aber es ist die neue Realität - wir leben in einer Pandemie, und normal gibt es hoffentlich später wieder“, wünschte sich die Schulleiterin. Spinrath verglich die Pandemie-Welle mit der zerstörerischen Welle des Seebebens von Sumatra, das 2004, im Geburtsjahr vieler der Mädchen, den furchtbaren Tsunami ausgelöst habe. „Eine Tsunami-Welle kann man nicht beherrschen, aber wir können Vorsorge treffen. Und wir sollten die Natur nicht gnadenlos ausbeuten und verändern, dann wäre schon viel gewonnen“, meinte Dorothee Spinrath und stellte mit Blick auf die Gesellschaft fest: „Es mangelt uns an Vertrauen und Verantwortung füreinander. Wir müssen alles daransetzen, Verantwortung zu übernehmen, damit wir die Pandemie-Welle weltweit in den Griff bekommen. Das geht aber nur, wenn wir solidarisch handeln.“

Erfolg gewünscht

Die Schulleiterin wünschte den Abschlussschülerinnen, dass sie auf ihrer persönlichen Welle des Erfolgs, den die Zeugnisse zweifellos bedeute, weitergetragen würden „und dass ihr mit viel Rückenwind Eure Ziele erreicht und Eurem Berufswunsch und Lebenstraum näherkommt“.

Diese Wünsche gaben den Entlassschülerinnen auch Bischof Helmut Dieser, Schulrätin Laura Schmidt und die kommunalen Vertreter – allesamt in schriftlicher Form – mit auf den Weg. Persönliche Worte richteten indes die Klassenlehrer Herbert Frings, Andreas Brings und Johanna Landerer-Gerards an „ihre“ Mädchen, und die sechs Klassensprecherinnen bedankten sich ihrerseits für eine gute Zeit an St. Ursula.

Von den insgesamt 77 Abschlussschülerinnen erreichten 17 den mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) und 60 Schülerinnen den mittleren Schulabschluss mit Qualifikation zum Besuch der Einführungsphase (EF) einer gymnasialen Oberstufe. Unter der Maßgabe „Kein Abschluss ohne Anschluss“ werden elf Schülerinnen nach den redlich verdienten Ferien eine berufliche Ausbildung beginnen, 39 Mädchen wechseln auf ein Berufskolleg und 27 Schülerinnen besuchen ab August die gymnasiale Oberstufe eines Gymnasiums oder einer Gesamtschule.

Alle Schülerinnen hatten bereits seit der 8. Klasse an diversen Veranstaltungen zur Berufsberatung teilgenommen: Potentialanalyse, verschiedene Praktika in Betrieben und im Handwerk und in einer sozialen Einrichtung, Berufsfelderkundung in ausgewählten Berufen der Arbeitsagentur sowie simulierte Vorstellungsgespräche gehören zum festen Programm an Sankt Ursula. Auch gab es vielfältige Angebote in und außerhalb der Schule, die auf das Leben nach der Schule vorbereiteten - vom Projekt „Vor dem Anfang starten“ mit Baby-Puppen über die Orientierungstage im Rahmen der Schulseelsorge bis hin zur christlichen Erziehung mit Begleitung durch professionelle Fachkräfte und die Schulsozialpädagogin.

Politisches, Soziales, Sport

Auch nutzten die Schülerin unterschiedliche Möglichkeiten, sich sozial (Projekt Jung & Alt), politisch („Fridays for future“) oder im musisch-kreativ-künstlerischen Bereich und im Sport zu engagieren, berichtete die Schulleiterin nicht ohne Stolz.

Zum Abschluss ging es für die jungen Damen dann an der Seite ihrer Familien zum Empfang der Zeugnisse und kleiner Abschiedsgeschenke der Klassenlehrer und der Schulseelsorgerin. Händedruck und herzliche Umarmungen waren an diesem besonderen Abschiedstag nicht möglich; doch als die Mädchen zum letzten Mal durch das Eingangsportal die Schule verließen, spendeten ihre Lehrerinnen und Lehrer aus der Distanz warmen und herzlichen Applaus – für jede der 77 ganz besonderen Abschlussschülerinnen 2020.