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Echte Freundschaft will gepflegt sein

14.12.2019 09:46:11 | Nicole Jansen

Grenzlandtheater spielt „Keine Lieder“. 330 Schüler kommen mit den jungen Schauspielern ins Gespräch.

Von Heiner Schepp

Nordeifel Eine gute Freundschaft will gepflegt sein. Und wenn etwas diese Freundschaft stört, dann hilft nur das Reden von Mensch zu Mensch dagegen, dass sie zerbricht. Dies war die Botschaft des Theaterstücks „Keine Lieder“, das das junge Grenzlandtheater Aachen, kurz „Greta“, diese Woche für knapp 330 Schülerinnen und Schüler aus vier Schulen in der Nordeifel gespielt hat.

Die junge Aachener Bühne gastierte im Rahmen der Bildungszugabe der Städteregion in der Aula des Monschauer Gymnasiums und war im ersten Halbjahr von der Mädchenrealschule St. Ursula, der Förderschule Nordeifel, dem Berufskolleg Simmerath und vom St.-Michael-Gymnasium selbst gebucht worden. „Die Bildungszugabe ist eine tolle Sache, ohne die wir den Schülerinnen und Schülern überhaupt nicht solche Dinge bieten könnten“, meinte Lehrerin Ruth Niehsen, die die 90 Achtklässlerinnen der Mädchenrealschule am Donnerstag begleitete.

Thema Freundschaft

Wie zerbrechlich kann eine als einmalig empfundene Freundschaft sein? Oder wie stark? Und wie viel Respekt braucht eine tiefe Freundschaft? Dieser Frage geht das Stück „Keine Lieder“ nach, das Christina Kettering für Menschen ab 14 Jahren geschrieben hat, und das im Februar 2019 von einer anderen Bühne uraufgeführt wurde. „Wir sind überhaupt erst das zweite Theater, das dieses Stück spielt“, erklärte Theaterpädagoge Mark Hartmann am Donnerstag nach der dritten und letzten Eifeler Aufführung.

Marc (Fabio Piana), Ella (Jennifer Tilesi Silke) und Linda (Sophie Botschek) treffen sich jedes Wochenende in einer alten Farbenfabrik – sozusagen ihr eigenes Freundschaftslabor. Hier gelten die Regeln der Außenwelt nicht, hier kann jede(r) sein, wie er oder sie will, mit allen Macken und Liebenswürdigkeiten den Freunden gegenüber. Doch dann taucht Adrian auf, schleicht sich zuerst in Ellas Herz – mit einer Decke, mit Wein und Gedichten. Linda weiß nicht so recht, was sie von dem jungen Mann halten soll, ist aber zu unentschlossen für eine klare Haltung. Nur Marc erkennt in Adrian den alles verändernden Eindringling. Und wird damit zum Opfer: Auf einmal kursieren unappetitliche Bilder von ihm in Sozialen Netzwerken.

„Böse Menschen kennen keine Lieder“ heißt es im bekannten Sinnspruch. Der kultivierte Adrian, der Rilke rezitiert, kann also kein böser Mensch sein. Oder doch? Adrian bekommt in der Inszenierung von Carolin Leweling kein Gesicht. Fabio Piana, Jennifer Tilesi Silke und Sophie Botschek wechseln ständig in die Erzähler-Rolle, und Adrian spielen sie abwechselnd mit. Das erfordert hohe Konzentration beim jugendlichen Publikum, macht den unsichtbaren Vierten aber noch subtiler, mysteriöser und undurchschaubarer. „Das Thema ist nahe an der Lebenswirklichkeit der Acht- bis Zehntklässler dran, und auch die Sprache nimmt das junge Publikum mit“, hat Mark Hartmann bei den Aufführungen festgestellt.

Und das wurde auch bei der theaterpädagogischen Nachbesprechung zwischen den Darstellern und den Schülern deutlich, als man tief in die Analyse des Gesehenen einstieg und auch die eingangs erwähnte Botschaft von „Keine Lieder“ erarbeitete. Natürlich beantworteten die jungen Schauspieler am Ende auch persönliche Fragen zu ihrem Beruf und Werdegang oder zur stets gestellten Frage nach dem „echten“ Alter. Dass Fabio, Jennifer und Linda in Wirklichkeit 10 bis 15 Jahre älter sind als Marc, Ella und Linda versetzte die Schüler in Staunen und sprach für die Wandlungsfähigkeit der Greta-Schauspieler.

Info

Bildungszugabe:
Anträge ab Montag

Mit der Bildungszugabe fördert die Städteregion Aachen den Besuch außerschulischer Lernorte für Kinder und Jugendliche, wobei sich besonders die Theaterangebote großer Beliebtheit erfreuen.

Anträge können Kindertageseinrichtungen und Schulen aus der gesamten Städteregion stellen. Für Angebote im Zeitraum ab Mitte März 2020 bis Ende Juni 2020 beginnt der Antragszeitraum am kommenden Montag und endet am 10. Januar 2020.