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Demo zieht durch Monschauer Altstadt

26.08.2019 16:48:57 | Nicole Jansen

Die Fridays-for-Future-Bewegung erreicht die Eifel. Kundgebungen auf dem Marktplatz und auf der Kirchstraße.

Von Andreas Gabbert

Monschau Die Fridays-for-Future-Bewegung ist auch in der Eifel angekommen. Am Freitagmorgen demonstrierten zwischen 75 und 100 Personen zunächst vor dem Rathaus in Monschau, um anschließend durch die Altstadt zu ziehen.

Gegen 10 Uhr versammelten sich immer mehr Menschen mit Transparenten und Plakaten vor dem Rathaus, darunter waren nicht nur junge Leute, sondern auch viele ältere Semester. „Unser Schicksal hängt nicht von den Sternen ab, sondern von unserem Handeln“, hatten zwei Mädchen auf ihr Plakat geschrieben. „Ich verzichte gern für die Zukunft meiner Enkel und alle Kinder dieser Welt“, war auf dem Plakat einer Frau zu lesen. „Früher war der Fisch in der Packung, heute ist die Packung im Fisch“, lautete ein anderer Spruch auf den zahlreichen Bannern.

Die Demonstranten wurden von Bürgermeisterin Margareta Ritter freudig begrüßt. Die jugendlichen Organisatoren der Veranstaltung seien nah am Puls der Zeit und in Monschau willkommen. Sie hoffe, dass durch diese Initiative auch Maßnahmen vor Ort angeregt würden. Insbesondere mit Blick auf Großveranstaltungen wie den Monschau-Marathon oder den Weihnachtsmarkt sei der Umgang mit Plastik auch hier ein riesiges Thema. „Wo wir selbst Einfluss darauf haben, gehen wir das an. Wir können aber auch noch etwas lernen“, sagte die Bürgermeisterin.

Aus einer Lautsprecheranlage, die von den Organisatoren auch für ihre Ansprachen genutzt wurde, schallte Musik, und so mancher Protestsong war zu hören. Betrieben wurde die Anlage mit einem benzinbetriebenen Aggregat. „Wir wollten aber nicht extra etwas Neues kaufen, da durch die Produktion auch Emissionen entstehen. Wir hatten sonst nichts anderes, und Batterien hätten nicht lange genug gehalten“, erklärte Mitorganisator Benjamin Dick (18) aus Monschau, um möglicher Kritik vorzubeugen, die den Klimaschützern oft entgegenschlägt.

„Wir wollen in erster Linie mit konkreten Projekten wie Aufräumaktionen oder Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt überzeugen.“

Benjamin Dick,
Mitorganisator

Vom Rathaus aus zog die Demonstration am Roten Haus vorbei zum Marktplatz, wo es die erste Kundgebung gab und Rüdiger Haude von der Scientists-for-Future-Gruppe aus Aachen das Wort ergriff. „Ihr habt recht“, rief er den Demonstranten zu und versprach ihnen Unterstützung der Wissenschaft. Er sei dankbar, dass sie das Thema, für das er schon lange kämpfe, auf die Tagesordnung gebracht hätten. Politiker würden das Thema zwar aufgreifen, aber es geschehe nichts, sagt Haude. Er ging auf den Umgang mit Braunkohle und Plastik ein und erklärte: „Es geht nicht nur um Verbote. Man kann auch mit Marktinstrumenten arbeiten.“ Als Beispiel nannte er eine CO2-Steuer und rief dazu auf, den Protest fortzusetzen – auch während der Schulzeit.

Immer wieder spendeten Passanten und Bewohner Applaus für die Demonstranten. Manch einer zeigte sich aber auch verständnislos und ärgerte sich, dass er durch den Protestzug in seinem Vorhaben kurzfristig behindert wurde.

Thema Mikroplastik

Weiter ging es schließlich über die Stadt- und die Kirchstraße, wo vor dem Maria-Hilf-Stift die nächste Kundgebung stattfand. Zunächst sprach Mitorganisatorin Marie Wilden (17) aus Rollesbroich über Plastik und Mikroplastik. Sie gab Informationen zum Verbrauch in Deutschland, Europa und auf der Welt. Sie erklärte, wie das Mikroplastik ins Meer gelangt und nannte Beispiele dafür, wie sich der Plastikverbrauch reduzieren lässt.

Mitorganisator Florian Dick (15) aus Monschau ging anschließend ebenfalls auf das Thema Plastik und den nachhaltigen Umgang damit ein. Außerdem berichtete er von vielfach negativen Reaktionen auf den Einsatz der Klimaschützer. Abschließend entschuldigte er sich bei den Bewohnern des Maria-Hilf-Stifts für eventuelle Unannehmlichkeiten.

Weiter ging es in Richtung Schlosskehr und zum Eselsturm, wo sich die Demonstration auflöste. Benjamin Dick bedankte sich im Namen der Organisatoren bei allen Teilnehmern für ihr Kommen und erklärte auf die Frage, wann es denn die nächste Demonstration gebe: „Das können wir nicht genau sagen, denn wir wollen in erster Linie mit konkreten Projekten wie Aufräumaktionen oder Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt überzeugen.“

Er zog am Ende ein positives Fazit und hofft nun auf viel Unterstützung bei den kommenden Projekten der Fridays-for-Future-Ortsgruppe Monschau/Eifel.

 

Die bischöfliche Mädchenrealschule war mit 12 Schülerinnen aus 4 Jahrgangsstufen stark vertreten. Einige Schülerinnen waren mit der gesamten Familie gekommen, einige hatten eine mehr als einstündige Anreise auf sich genommen, weil ja noch kein Schulbus fuhr. Viele hatten individuell gestaltete kleine Plakate zum Thema Vermeidung von Plastikmüll gestaltet.

Wir sind gespannt darauf, welche Aktionen die Schülerinnen ganz konkret für die Mädchenrealschule in der SV-Sitzung vortragen und was wir direkt zur Müllvermeidung in Angriff nehmen können. Ein Beitrag der Schule ist der Verzicht von Einbindefolie bei den Leihbüchern erstmals in diesem Schuljahr.

Die Schulleitung dankt allen Aktivistinnen, die auch in der Ferienzeit aktiv für den Umweltschutz unterwegs waren und demonstriert haben.