Login

Das Berufsleben bekommt ein Gesicht 600 Schüler von sieben Schulen informieren sich bei der 18. Nordeifeler Ausbildungsbörse im Himo Imgenbroich

27.04.2018 13:18:57 | Nicole Jansen

Das Berufsleben bekommt ein Gesicht

600 Schüler von sieben Schulen informieren sich bei der 18. Nordeifeler Ausbildungsbörse im Himo Imgenbroich

Imgenbroich. Treffpunkt für die nächste Generation der Beschäftigten in Wirtschaft, Industrie, Verwaltung und Dienstleitung war am Dienstag das Himo in Imgenbroich. In den etwas zugigen Fluren herrschte fünf Stunden lang lebendige Geschäftigkeit, ein ständiges Kommen und Gehen und großer Informationsbedarf. Die drei Südkreiskommunen Monschau, Roetgen und Simmerath hatten wieder zur jährlichen gemeinsamen Nordeifeler Ausbildungsbörse eingeladen, die, dem Prinzip des wechselnden Veranstaltungsortes folgend, diesmal in Monschau stattfand. 54 Unternehmen präsentierten beim 18. gemeinsamen Ausbildungstag ihr Gesicht, das durch viele Dialoge mit den Schülern noch zusätzlich Konturen gewinnen konnte.

(Kleine) Orientierungshilfe

Rund 600 Schüler von sieben Eifeler Schulen (St.-Michael-Gymnasium, Franziskus-Gymnasium Vossenack, Sekundarschule Nordeifel, Berufskolleg Simmerath, Förderschule Nordeifel, Privatschule Conventz und Realschule St. Ursula) nutzten die Chance zu einer ersten unverbindlichen Kontaktaufnahme mit dem Berufsleben. Auch wenn für manche Schüler nur ein Kugelschreiber, ein Zollstock oder ein Faltprospekt als sichtbares Ergebnis des Besuches heraussprangen, so dürfte die bunte Berufsbörse doch so manchem Schüler zumindest eine kleine Orientierungshilfe gegeben haben. Es muss ja nicht gleich der Traumberuf sein.

In unterschiedlicher Darstellung präsentierten sich auch die Unternehmen selbst. Manche kennen das Geschäft der Nachwuchsfindung, andere gehören in diesem Punkt erst zu den Einsteigern. Einige Unternehmen sind von der ersten Stunde an dabei, und immer wieder ist man erstaunt über die Vielfalt des beruflichen Angebotes in einer ländlichen Region, wobei rund 30 Teilnehmer aus dem größeren regionalen Umfeld zu Gast waren.

 

„Wir können praktisch für jeden etwas bieten.“

Frank Tischkin, Karriereberater der Bundeswehr

Vieles hat sich inzwischen geändert beim Ausbildungstag, seitdem qualifizierte Auszubildende auf dem Arbeitsmarkt immer gefragter sind. Und vielleicht ist die von Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter im Gespräch entwickelte Vision, dass beim Ausbildungstag vielleicht einmal die Schüler selbst hinter den Infotischen stehen und die Betriebe fragen, was sie denn im Angebot hätten, gar nicht so illusorisch.

Während die erste Gruppe des Monschauer Gymnasiums zum Rundgang startete, eröffnete die Monschauer Bürgermeisterin den 18. Ausbildungstag und verwies auf das umfangreiche berufliche Angebot in der Region. Weil man sich als gemeinsamen Lebensraum sehe, hätten die Nordeifelkommunen seinerzeit den Ausbildungstag ins Leben gerufen.

Eine rege Kommunikation bestimmte fortan das Geschehen. Gleich neben dem Eingang hat sich die EWV, der Energieversorger aus Stolberg, positioniert. Timo Braun, Auszubildender zum Industriekaufmann, kann aus eigener Erfahrung berichten, was die Berufsanfänger erwartet. Das Unternehmen lernte er übrigens auch bei einer Ausbildungsbörse, und zwar in Weisweiler, näher kennen.

Gut besucht, nicht wegen der süßen Häppchen, ist auch der Infostand der Bäckerei Moss aus Aachen. Die Arbeitszeiten im Bäckereihandwerk sind hier das große Thema. „Gerade am Wochenende herrscht bei uns Hochfrequenz“, macht Verena Theis, die Filialbetreuerin für die Eifelregion, deutlich. Zwar seien derzeit alle rund 20 Ausbildungsstellen besetzt, „aber es wird zunehmend schwieriger“, räumt sie ein.

Für pastorale Berufe wirbt das Bistum Aachen. „Kirche ist mehr als Priester und Gottesdienste“, müssen Georg Nilles und Edith Meyer mit so manchem Vorurteil aufräumen, und für manchen dürfte es überraschend sein, zu erfahren, dass die beiden Kirchen in Deutschland im sozialen und karitativen Bereich die zweitgrößten Arbeitgeber in Deutschland sind.

Kirche oder Militär?

Gegen ein bei vielen festgefahrenes Image muss auch die Bundeswehr ankämpfen. Dass sich aber häufiger junge Damen am Infostand einfinden, bestätigt Frank Tischkin, Karriereberater bei der Bundeswehr, in seiner Feststellung, „dass wir praktisch für jeden etwas bieten“. Jeder könne bei der Bundeswehr Karriere machen – egal ob Hauptschüler oder Abiturient. Die Bundeswehr, erläutert er, verfüge über einen Regenerationsbedarf von rund 20 000 Soldaten im Jahr. Die Anwesenheit bei Infoveranstaltungen sei für die Bundeswehr unverzichtbar. Bei späteren Bewerbungen von Auszubildenden sehe man immer wieder, dass bei den Ausbildungsbörsen die erste Kontakte geknüpft worden“, sagt Tischkin.

Erstmals am Start beim Eifeler Ausbildungstag ist der Pflegedienst Theißen. Mit seiner Präsentation möchte Geschäftsführer Stefan Theißen auch dazu beitragen, dass das Image der Pflegeberufe sich wieder verändert und deutlich werde, „dass der Beruf vielseitiger ist, als man glaubt“. Auch die Pflegeeinrichtungen müssten in die Offensive gehen, denn der Andrang von Auszubildenden sei spürbar zurückgegangen.

Da für die Schüler die Besuchszeit begrenzt war, kam es darauf an, gezielt die Angebote aufzusuchen. Für Marina Esser vom Gymnasium Vossenack zum Beispiel hat sich der Besuch gelohnt. Sie informierte sich ausführlich am Stand von Mercedes-Benz Aachen, „auch weil ich die Marke toll finde“. Nach Abschluss der gerade laufenden Abiturprüfungen habe sie bereits ein weiteres Gespräch beim Unternehmen terminiert.

Keine neuen Erkenntnisse brachte dagegen die Ausbildungsbörse für Janis Svacko vom Franziskus-Gymnasium, was seinen Grund hat: „Ich möchte Architekt werden. Da bin ich mir ganz sicher.“ (P. St.)