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Gemeinsames Leitbild für alle bischöflichen Schulen im Bistum Aachen

07.03.2018 09:52:42 | Nicole Jansen
Aachen. Georg Schöpping steht jeden Morgen am Tor der Bischöflichen Marienschule in der Harscampstraße. Der Schulleiter der Förderschule für Schüler mit emotional-sozialem Förderbedarf begrüßt seine Schüler täglich mit Handschlag und einem kurzen Gespräch.

"Wir fangen jeden Morgen neu an – egal, was am Vortag war. Wir nehmen jeden Schüler, wie er ist“, erläuterte er sein Zugehen auf die Schüler, die der Volksmund wohl als mindestens schwierig einstufen würde.

Mit der Fertigstellung eines gemeinsamen Leitbildes für alle bischöflichen Schulen im Bistum Aachen steht ihm wie rund 600 weiteren Lehrern sowie bald 10.000 Schülern an den ab Sommer zwölf bischöflichen Schulen für diese Herangehensweise eine offizielle Grundlage zur Verfügung.

Es ist kein Dekret von oben. In einem zweieinhalbjährigen Prozess haben Lehrer, Schüler, Eltern und Vertreter des Bistums auf schulischer und diözesaner Ebene zehn Punkte erarbeitet, die zum Teil das widerspiegeln, was in den bischöflichen Schulen schon lange gelebt wird. Es werden aber auch Ansprüche, die sie an sich selbst stellen, und Herausforderungen durch die gesellschaftliche Entwicklung formuliert – alles gesammelt unter der Überschrift „Bildung ermöglichen. Schule gemeinsam gestalten.“

Das mache die bischöflichen Schulen – neben der Förderschule in Aachen sind eine Grundschule, eine Realschule, ein Berufskolleg, eine Gesamtschule sowie nach der Aufnahme der St.-Angela-Schule in Düren im kommenden Sommer sieben Gymnasien in Trägerschaft des Bistums – im Vergleich zu städtischen Bildungseinrichtungen nicht zu besseren Schulen, wie Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral/Schule/Bildung im Generalvikariat, betonte. „Aber in der Konsequenz und Beharrlichkeit unterscheiden wir uns schon“, fand er.

Neben der Rückbindung an das christliche Fundament habe der Entstehungsprozess des Leitbildes bereits jetzt die Zusammenarbeit der verschiedenen bischöflichen Schulen verstärkt“, meinte Dr. Thomas Ervens, Leiter der Abteilung Erziehung und Schule im Generalvikariat. Und auch Schöppgen sagte: „Bislang arbeitete ich auch schon mit dem Pius-Gymnasium zusammen, aber das war immer an einzelnen Schülern festgemacht. Jetzt verändert sich systemisch etwas.“

Zwei Beispiele: Schöppgen hilft als Kenner von emotionalen und sozialen Schwierigkeiten bei traumatisierten Kindern in internationalen Klassen von anderen bischöflichen Schulen aus. Seine Schüler bekommen zugleich die Gelegenheit, an Arbeitsgemeinschaften in anderen Schulen teilzunehmen, die die kleine Marienschule mit 80 Schülern selbst nicht anbieten kann. Ganz nach dem ersten Leitsatz „Bildungszugänge verschaffen“ werden die Grenzen zwischen den einzelnen Schulen fließender.

So oder so ähnlich könne es gelingen, das Leitbild mit Leben zu füllen und es nicht nur in einer Hochglanz-Broschüre niederzuschreiben – da sind sich die Akteure einig. Schon in der Entstehungsphase habe sich eine „zupackende Stimmung“ breit gemacht, wie Lehrerin Monika Heusgen-Gatzweiler vom Pius-Gymnasium berichtete. „Es ist ein toller Anlass, sich täglich des eigenen Fundaments zu vergegenwärtigen und sich darüber auch mit anderen auszutauschen.“ Für Cremer ist es auch eine „Vergewisserung nach Innen“, wenn über die Verteilung des weniger werdenden Geldes und die inhaltliche Neuausrichtung des Bistums gesprochen wird. „Wir wollen in der Gesellschaft auch über Schulen präsent sein.“ Zurzeit fließen rund acht Millionen Euro Kirchensteuermittel in die bischöflichen Schulen. Weitere Trägerschaften will das Bistum aber nicht übernehmen. „Da gilt auch weiter unser Grundsatzbeschluss“, erklärte Cremer. Die Übernahme der St.-Angela-Schule in Düren sei eine Ausnahme, weil das Bistum auch in der vorherigen GmbH-Konstruktion schon finanziell stark beteiligt war.